Projekt­studie Talacher

1. Rang
Ort:

Inwil b. Baar

Nutzung:

Wohnen

Planung:

seit 2023

Leistungen:

Projektstudie im Einladungsverfahren, 1. Rang; Bebauungsplan

Team:

DUO Landschaftsarchitekten, Verkehrsteiner

Fläche:

5'500m2 GF oberirdisch

Wir haben es geschafft! In Baar zwischen Stadt und Land entstehen rund 40 Wohnungen. Wir haben mit Respekt zum Ort und Liebe zur Architektur entworfen. Passend und genau.


2024

Rundherum ist mittendrin: Verbindend und vernetzend soll die Entwicklung am Ort sein. Sorgfältig betten sich die Neubauten ein, der Freiraum umgarnt diese mit Präzision. Die angestrebte Flexibilität, die sinnvolle Nachhaltigkeit und die bewusste Gestaltung machen das Wohnen im Talacher attraktiv.

Mit sanften Eingriffen, diversen Angeboten und verbindenden Elementen bettet sich der Projektvorschlag in die Siedlungslandschaft ein. Die Ringstrasse (Talacher- und Untere Rainstrasse) ist im Dorf als übergreifende Verbindung zu lesen. Innerhalb befinden sich diverse Bebauungs- und Freiraumtypologien, die der Projektvorschlag übernimmt. Mitunter die Ortskernzone, Schule und Kirche, die allesamt über innere Pfade erschlossen sind. Der Projektvorschlag schliesst präzise an den übergeordneten Freiraumstrukturen wie auch an der internen Durchwegung an. Ergänzende Elemente, wie eine grosszügige gemeinschaftliche Mitte sowie der Ziergarten vor der Bestandsliegenschaft runden das Angebot ab.

Die Neubauten fügen sich sorgfältig, präzise und sanft in den gewachsenen Ortskern ein: In der Körnung, in der Setzung, im Erhalten vom historischem Bestand sowie in der Struktur der Zwischenräume. Die Gebäude und deren Ausrichtungen tragen weiterhin zur Identität des Ortskerns bei und wird so Teil des Ortsbildschutzes. Offene Ränder, Weite und Nähe gewähren auch in Zukunft regelmässige Einblicke in das Innere der Bebauung. Der Projektvorschlag erzählt die Geschichte des Ortskerns weiter. Rundherum reiht sich die eher jüngere Siedlungsentwicklung auf, die eher kubisch, gerastert und grossformatig wirkt. 

Die Lage im flachen Gelände ermöglicht eine gute Erreichbarkeit von Baar und Zug mit dem Fahrrad, während ein Bus mit Viertelstundentakt in unmittelbarer Nähe verfügbar ist. Die Mobilität kann mit der Bewohnerschaft verbunden werden, z. B. durch eine Velowerkstatt im Gemeinschaftsraum. Ergänzend ist eine Einstellhalle für den MIV vorgesehen.

Das entwickelte Freiraumkonzept reagiert stark auf den Bestand und die vorhandenen atmosphärischen sowie räumlichen Qualitäten. Der Bestandsgarten mit den drei prägenden Einzelgehölzen des alten Bauernhauses wird erhalten und funktional umgedeutet. Zukünftig dient er der Siedlung als grüne Spieloase und beschatteter Erholungsort. Das wirksame Ensemble Bestandsgebäude und Garten wird so erhalten. Auch der Schauseite zur Talacherstrasse wird wie bestehend ein Bauerngarten vorgelagert. Hier kann sich die Siedlungsgemeinschaft treffen und gemeinsam gärtnern. 

Angrenzend unterstützt die neu geschaffene Mitte in Form eines chaussierten Platzes mit Brunnen, einer Sitzbank, einem Grillplatz und ergänzendem Hofbaum diesen Öffentlichkeitsgrad und lädt zum Verweilen ein. Entsprechende Nutzungen im EG des Gebäudes könnten das Ensemble sinnhaft komplementieren. Ein einfaches, robustes Wegesystem führt zu den Hauseingängen und vernetzt mit der Umgebung. Unregelmässig gepflastert kommen diese daher und geben dem Ort ein identitätsstiftendes Erscheinungsbild. Es entsteht ein neuer Ort, welcher den Bestand in Wert setzt, neue Qualitäten schafft und so das Dorf bereichert.

Die geschickte Grundrisskonzeption ermöglicht eine äusserst hohe Flexibilität sowohl während der Planung wie auch später im Betrieb. So kann beispielsweise noch während der Planung auf verändernde Marktlagen reagiert und der Wohnungssplitt angepasst werden. Die flexiblen Grundrisse mit nutzungsneutralen Zimmern und minimierten Erschliessungsflächen sprechen eine breite Zielgruppe an und sorgen dadurch für ein geringes Leerstandsrisiko. Sämtliche Wohnungen überzeugen durch die fliessenden Raumsequenzen mit mindestens zweiseitiger Ausrichtung. Die Setzung und Erschliessung der Gebäude fördern ein nachbarschaftliches Wohnen, durch die Ausrichtungen der Wohnungen bleibt die Privatsphäre gewährt. Jede Wohnung profitiert von Ausblicken in die qualitätsvolle Umgebung und Aussenräume.

Durch die kompakten Baukörper mit aussenliegender Vertikalerschliessung wird das beheizte Volumen minimiert. Sämtliche Balkone liegen übereinander, wodurch der Dämmperimeter klar definiert bleibt. So können nebst den Erstellungs- auch die Betriebskosten und der Energieverbrauch tief gehalten werden. Die konsequent vertikale Lastabtragung verspricht eine wirtschaftliche und rationelle Erstellung. Repetitive und serielle Bauteile mit hohem Vorfabrikationsgrad ermöglichen zudem eine Trockenbauweise mit kurzer Bauzeit vor Ort. Mit nur einem Untergeschoss wird die Baugrube auf das Minimum reduziert. Das Steildach lässt eine hohe Lebensdauer mit geringen Unterhaltskosten erwarten.


2023-2024

In zwei Workshops werden viele Fragen und Haltungen besprochen. Vorab soll die Dichte mittels einem ortsbaulichen Gesamtkonzept eruiert werden. Volumetrien und Adressbildungen sollen erörtert werden. Der Freiraum ergänzend. Ergänzend? Vielleicht müsste der Freiraum zuerst geklärt werden. Dazu aber später mehr. Schritt für Schritt wird der Projektvorschlag eingegrenzt, präziser und detaillierter.

Früh hat sich die Haltung etabliert, die bis zum Schluss erhalten blieb: Mit präzisem Sichern von Freiraumbeständen, Freihalten von Sichtachsen und Wertschätzen der gebauten Umgebung sind eigene Rahmenbedingungen geschaffen worden. Darauf aufbauend startet der Entwurf. Der Umgang mit Freiraum wird zuerst geklärt: Feingliedrige Durchwegungen und eine freie Mitte scheinen für den Ort die passend zu sein. die Grösse der Bebauung bedarf einem gemeinschaftlichem Treffpunkt. Mit Brunnen und Baum. Unterschiedliche Nischen wie der Spielplatz bei den Baumbeständen, der Ziergarten vor dem geschützte Gebäude unterstreichen die Historie. Ergänzend wird der Kapelle genügend Abstand versprochen. 

Die Frage nach der geeigneten Nutzungsergänzung zum Wohnen wird aus der Nachbarschaft abgeleitet. Möglichkeiten werden in Workshops besprochen und beim Beurteilungsremium nachgefragt. Viel soll es nicht sein. Der Wohnnutzung wird Vorrang gegeben. Die Neubauten sind entwickelt und in Varianten geprüft worden. Die Anforderung an die Bebauungsdichte stellt eine grössere Herausforderung dar. Wie viel Gebäudevolumen darf an diesem Ort überhaupt realisiert werden? Es zeigt sich: Drei Gebäude sind zu gross, sie brauchen Feingliederung. Und so entstand die Idee des offenen Treppenhauses, das zwei Gebäudeeinheiten verbindet. Damit lässt sich die Körnung der Kernzone übernehmen und die gewünschte Durchlässigkeit garantieren. Giebelfassaden und Balkonschichten zeigen in die gleiche Richtung. Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Gebäude schreiben die Geschichte der Kernzone weiter.


2023

Die Entwicklungsgeschichte vom Wyler zum Dorf ist ablesbar: In der Körnung, in der Setzung, im erhaltenen Bestand historischer Bauten sowie in der Struktur der Zwischenräume. Die Kernzone von Inwil zeichnet sich durch lose, zueinander abgedrehte Gebäude aus. Offene Ränder und die durchlässige Bebauungsstruktur verzahnen sich typischerweise mit der Umgebung und gewähren Einblicke ins Innere.

Die Nachbarschaft wurde vor allem ab 1960 bis 1980 gebaut. Dazu gehören die bekannten Scheibenhochhäuser, die Kirche St. Thomas, die Schulanlage Rigistrasse sowie weitere Wohnüberbauungen. Im Gegensatz zur Kernzone stehen diese rechtwinklig zueinander und tragen Flachdächer. In der Kernzone wird mit ebendiesen Dachfirsten gespielt. Sie sind zueinander abgedreht und zeigen so in verschiedene Richtungen. Die Gebäude und deren Ausrichtungen tragen zur Identität des Ortskerns bei und sind ein wichtiger Bestandteil des Ortsbildschutzes. 

Der freiräumliche und gebaute Bestand soll gesichert werden. Das historische Mehrfamilienhaus ist dreiseitig von viel Grünraum umgeben und wird es weiterhin sein. Damit sind die zwei Blickachsen (von Talacherstrasse und Kapelle St. Sebastian) aus auf das Bestandsgebäude erhalten.